Venezianische Eine Tonbildschau von Heinrich Keller Das Lexikon definiert "Impressionen" als "nur spontane Eindrücke der Wirklichkeit, nicht naturalistisch vollständige Abbilder". Was Sie hier erwartet, ist also kein Dia-Vortrag der üblichen Form. Wo andere einfach knipsen, um das Beeindruckende ihrer Venedigreise als Rückerinnerung für kommende Dia-Abende zu konservieren, lotet Keller die Gestaltungsmöglichkeiten der Fotografie aus. Was dem Flaneur durch die historische Kulisse an konkret erfahrbarer Geschichte in den scheinbar leblosen Fassaden der Lagunenstadt entgegentritt, sucht er im Spiel von Licht und Schatten, Farben und Gegenständen auf das Zelluloid zu bannen. Dabei arbeitet Keller mit den verschiedensten Verfremdungstechniken der Fotografie, Mehrfachbelichtung, partieller oder gar totaler Unschärfe, Vorsatz von Farb- und Prismenfiltern zum Beispiel. Der häufige Einsatz solcher Mittel führt zwar leicht zur bloßen Effektspielerei, aber dem Darmstädter Architekten gelingt es, diese Klippe zu meistern, für ihn sind es Mittel, eingefahrenes Sehen aufzubrechen, das Sehen zu einer autonomen Form von Gestaltung werden zu lassen. Bandbreite für dieses Unterfangen ist gerade die unvollständige Annäherung der Fotografie an die Wirklichkeit, die Differenz zwischen Abbild und Objekt. Wäre die Fotografie das identische, dreidimensionale Abbild der Wirklichkeit, sie wäre eine künstlerisch uninteressante Spielerei. Kellers Nachvollziehen des "Was-hat-sich-der-Architekt-dabei-gedacht?" macht eine ganze Kultur lebendig, wird aber zur eigenständigen, vom Ausgangsobjekt unabhängigen Schöpfung. Seine poetische Sicht lebt aus dem Spannungsverhältnis der Geschichte mit dem Heutigen, der objektiven Lebensrealität, die dem Betrachter - so weit seine Gedanken auch schweifen mögen - immer präsent ist. Musik von Vangelis, Dire Straits, Weather Report, Pink Floyd und Alan Parsons Project geben die akustische Entsprechung zu dem, was Keller auf die Leinwand bringt.
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